Moderation: Liza Wyludda
Ort: Habelschwerdter Allee 45, Raum KL 32/202
Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.
„Muss Kunst nicht unter die Haut gehen?“
Dieser Leitfrage folgend führt Elvira Steppacher Künstlerinnen-Roman Blöße (2024) sein Lesepublikum an die wenig beachtete Kunstform der (Tier-)Präparation heran. Dabei beherrscht seine Protagonistin das ‚Unter-die-Haut-Gehen‘ gleich in zweierlei Weise: als technisches Eingreifen in Körper zum Zweck ihrer Haltbarmachung und über die morbide Anziehungskraft, die ihre zwischen traditioneller Taxidermie und moderner Kunst angesiedelten Exponate durch die Evokation von ‚Natürlichkeit‘, ‚Lebendigkeit‘ und Gewalterfahrung ausüben. Mit der Tierpräparation beleuchtet Steppacher eine an der Schnittstelle von Handwerk, Kunst und Wissenschaft angesiedelte ästhetisch-materielle Praxis, in der sich Biologie-, Kolonial-, Wissenschafts- und Umweltgeschichte verdichten und das Verhältnis insbesondere westlicher Gesellschaften zur ‚Natur‘ und zu anderen Lebensformen befragbar wird. Dabei oszilliert der Roman zwischen technischer Distanz und sinnlicher Intimität, verunsichert Grenzen von ‚Künstlichkeit‘ und ‚Natürlichkeit‘ und entblößt über seine Verfahren die ambivalenten Gründe einer ästhetisierenden und konservierenden Natur-Zurichtung, auch vor dem Hintergrund vielfältiger Verlusterfahrungen in der gegenwärtigen ökologischen Krise.
Wir haben Elvira Steppacher eingeladen, aus ihrem Roman zu lesen und mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen.
Elvira Steppacher, 1963 in Münster-Hiltrup geboren, lebt als freie Autorin (wieder) in Münster. 1993 wurde sie mit einer Arbeit über Leiblichkeit und Sinnlichkeit im Motiv des kranken Erzählers promoviert. Nach langjähriger Tätigkeit in der Medienbranche sowie als Geschäftsführerin und Journalistische Direktion des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses in München schreibt Steppacher seit 2019 Lyrik und Prosa, für die sie zahlreiche Arbeitsstipendien und Auszeichnungen erhalten hat.
Zeit & Ort
01.07.2026 | 18:00 - 20:00
Raum KL 32/202 (oberes Stockwerk, Rostlaube)
Habelschwerdter Allee 45
14195 Berlin

